Outfit mit rotem Mantel

Eine Oktober-Folge des Podcasts Matchalatte mit Masha Sedgwick geht mir seit vielen Wochen nicht mehr aus dem Kopf. Auf die Beschwerde einer Leserin hin, Masha und ihre Mitbloggerin erzählen ständig von ihrem Stress, erwiderten die beiden, sie wollen nicht damit angeben. Das nehme ich ihnen voll und ganz ab. Weiter behaupten sie jedoch: Stress sei nicht das neue Statussymbol. Warum denn eigentlich nicht?

Stress IST das neue Statussymbol 

Wer gestresst ist, hat viel zu tun, vielleicht noch nicht einmal Zeit zu schlafen. Er hat so viel zu tun, weil er einen tollen Job hat, von einem Projekt ins andere rutscht und von Stadt zu Stadt jettet. Weil er gefragt ist, sich mit seinen vielen Freunden treffen muss, seinen angesagten Hobbys nachgehen muss. Weil er in einer coolen, leider stressigen Stadt lebt. Und nie – niemals – zur Ruhe kommt. Er wird bewundert, weil er diesen Stress handelt. Work hard, play hard, lautet das Motto. Stress IST das neue Statussymbol!

Outfit in Knallrot und Schwarz

Dann gibt es noch die Gestressten, die vom Gestresstsein gestresst sind. Die sich zum Opfer ihres stressigen Lebens machen. Sie haben alles, was man sich wünschen kann, jonglieren verzweifelt zwischen Job, Familienleben und Freizeit, versuchen alles unter einen Hut zu bringen, schaffen es aber nicht oder zumindest nicht zu 100 Prozent. Sie haben alles erreicht, sind bunte Hunde in ihrer Branche, beschweren sich dann aber, dass sie dauernd unterwegs sind, von Event zu Event hetzen und zuhause nicht einmal Zeit für einen Kaffee haben (außer er wird für Instagram abgelichtet, aber das ist dann ja wieder Teil des stressigen Joblebens). Sie sehen sich als Opfer ihres Schicksals und liegen ihren Mitmenschen in den Ohren. Das Mitleid von außen gibt ihnen Bestätigung und schon gerät ihr Stress in die Negativspirale.

Warum ist Stress das neue Statussymbol und nicht mehr das Auto, die Yacht oder die Villa? Es scheint, als hätten einige Leute verstanden, dass Erlebnisse bleiben, Materielles aber eben nicht. Gemäß dem beliebten Instagram-Spruch „Collect moments, not things“ geben Menschen mit ihren Erlebnissen an. Sie posten Bilder von ihren Reisen und wichtigen Events. Auf den Bildern sind sie möglichst oft mit anderen Influencern oder VIPs zu sehen. Je mehr man davon jeweils vorzuweisen hat, desto mehr wird man von vielen beachtet, bewundert oder beneidet. 

Look mit Mantel und Hose

„Eine Woche das Handy auslassen, das würd ich auch gerne mal“

Wer was erlebt, der hat was zu erzählen. Aber ist der, der sich Ruhe gönnt, im Umkehrschluss automatisch ein Langweiler? Alle, die das dauerhaft machen, treten im Leben wie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung auf der Stelle und werden zur Couchpotato. Sie blicken nicht über den Tellerrand der eigenen Wohnung hinaus. Das ist meiner Meinung nach tatsächlich langweilig. Sich absichtlich eine Auszeit gönnen – das hat schon mehr mit einem erfüllenden Leben zu tun. Yoga- und Medidationskurse boomen, immer mehr Menschen sprechen auch in der westlichen Kultur von Achtsamkeit. Wellnessurlaub machen, in den Beauty-Salon gehen, digitaler Detox im Urlaub – nichts ist gefragter und mit nichts steht man schneller im Mittelpunkt. Wow, ein Wochenende nur ich und die Natur, eine Woche das Handy auslassen, das würd ich auch gerne mal!

roter Mantel und Sonnenbrille

Hier sind wir allerdings schon wieder beim Thema Stress: Wer sich eine Auszeit gönnt oder sogar auf Digital Detox setzt, der hat es nötig, weil sein Leben ja so stressig ist. Und auf Facebook muss das im Nachhinein festgehalten werden. Würde ich auch so machen. Statussymbol eben.

Outfit

Roter Mantel: S. Oliver Black Label

Trägertops: H&M

Skinny Hose: H&M

Flats: Superdry

Sonnenbrille: Prada

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Written by purpleglory
purpleglory ist ein Style Advice Blog für Frauen mit News, Styling-Tipps, eigenen Outfits und persönlichen Posts rund um aktuelle Fashion-Themen. purpleglory inspiriert und bietet Ideen für den Alltag, die schön machen und vor allem Spaß machen. Seit 2012 ergänzt die eigene Schmucklinie @purplegloryjewelry mit handgefertigten Unikaten den Blog. Hinter purpleglory steckt Bloggerin Katrin, die diesen Blog vor über sechs Jahren aus ihrer Leidenschaft für die Mode und das Schreiben heraus ins Leben gerufen hat und regelmäßig vor kreativen Ideen übersprudelt.